Geiseldrama in Moskau Verfasst am: 26.10.2002, 22:11
In einer kurzen, dramatischen Fernseh-Ansprache hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Angehörigen der getöteten Geiseln um Vergebung gebeten. „Wir konnten nicht alle retten. Vergeben Sie uns!“, sagte der Staatschef am Samstagabend im Kreml vor Kameras. „Das Gedenken an die Toten soll uns vereinen“.
Die Verantwortlichen hätten gewusst, dass der Spezialeinsatz zur Befreiung der Geiseln in dem Moskauer Theater Opfer fordern werde. „Das fast Unmögliche ist gelungen – das Leben Hunderter Menschen zu retten“, sagte Putin.
Der Präsident bedankte sich für das Mitgefühl und die Unterstützung aus aller Welt. „Wir haben bewiesen, dass Russland nicht in die Knie gezwungen werden kann.“ Putin erinnerte daran, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht beendet sei. „Aber er muss besiegt werden und er wird besiegt werden.“
Weltweit wurde das Ende des Psychoterrors mit Erleichterung, aber auch mit Appellen zur Lösung des Tschetscheniens-Konflikts aufgenommen. Die russische Armee startete am Morgen eine Großoffensive in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien.
In einer Erklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder hieß es: „Auch wenn über die Einzelheiten noch keine Klarheit besteht, müssen wir froh sein, dass ein Großteil der Geiseln, unter ihnen auch die Deutschen, nun in Sicherheit sind“. Den Angehörigen der Opfer erklärte er sein „tief empfundenes Beileid“. Außenminister Joschka Fischer setzte sich für eine Verstärkung der Friedensbemühungen in Tschetschenien ein.
Blutbad forderte über 140 Tote
Russische Spezialeinheiten hatten das Geiseldrama am Samstag im Morgengrauen beendet. Über 90 Geiseln und 50 der tschetschenischen Terroristen seien getötet worden, berichtete die Nachrichtenangetur Itar-Tass unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Unter den Toten sind nach russischen Angaben weder Kinder noch Ausländer.
Mehr als 750 der Geiseln, die zweieinhalb Tage lang in dem Musical-Theater gefangen gehalten worden waren, seien lebend befreit worden, darunter auch zwei Deutsche. Die Polizei hatte den Konzertsaal gestürmt, nachdem die Geiselnehmer ihre Drohung, die Gefangenen der Reihe nach zu erschießen, wahr zu machen schienen. Die Terroristen erschossen zwei Geiseln und verletzten zwei weitere, um ihrer Forderung nach einem Abzug der russischer Truppen aus der Kaukasusrepublik Tschetschenien Nachdruck zu verleihen. Als danach unter den verängstigten Geiseln Panik ausbrach, sah sich die Polizei nach Angaben des Krisenstabs zum sofortigen Eingreifen gezwungen. Praktisch mit dem Ablaufen des Ultimatums eskalierte die Lage nach einigen Explosionen und Schüssen. Schützenpanzer fuhren vor, und Soldaten stürmten das Gebäude.
Nach der Befreiung ins Krankenhaus
Die befreiten Geiseln, die überwiegend unter Schock standen, wurden mit Bussen in Krankenhäuser eingeliefert. Der Großteil von ihnen sollte noch im Laufe des Tages entlassen werden, teilten die Behörden mit. Russlands Präsident Wladimir Putin stattete den freigelassenen Geiseln überraschend einen Besuch ab. Er traf am Mittag in der Sklifosowski-Klinik ein, in der rund 40 der befreiten Geiseln behandelt wurden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass.
Fast alle Geiselnehmer tot
Insgesamt seien bei dem Einsatz 50 Terroristen getötet worden. Diese korrigierte Zahl gab am Samstagnachmittag der russische Inlandsgeheimdienst FSB bekannt. Unter ihnen war auch ihr Anführer, der berüchtigte 23-jährige Feldkommandeur Mowsar Barajew. Laut Innenministerium waren unter den Toten 18 Terroristinnen. Nach ersten Berichten wurden drei Geiselnehmer, zwei Männer und eine Frau, unverletzt festgenommen. Im Großraum Moskau wurden laut Innenminister Boris Grislow rund 30 Komplizen der Geiselnehmer festgenommen.
Verbrechen war genau geplant
Die Terroristen hatten nach eigenen Angaben vor rund zwei Monaten mit den Vorbereitungen zu der Geiselnahme von Moskau begonnen. Dies erklärte ihr Anführer Barajew dem Fernsehsender NTW in einem am Vorabend geführten Interview, das der Sender am Samstag in Auszügen ausstrahlte. „Wir haben die Vorstellung (des Musicals) öfter besucht, haben alles ausgespäht“, sagte Barajew. Ein anderer Terrorist habe vor laufender Kamera den Grund für die Wahl gerade dieses Theaters unweit des Moskauer Stadtzentrums genannt.“ Alle sollten es sehen, alle sollten davon wissen.“
Tod der Geiseln noch unklar
Bis zum Nachmittag gab es keine offiziellen Angaben der Behörden darüber, wie die mehr als 90 Geiseln starben. Auch über die Art der Verletzungen bei einigen Überlebenden wurden keine Angaben gemacht. Der stellvertretende russische Innenminister Wladimir Wassiljew dementierte Berichte, nach denen ein Großteil der getöteten Geiseln durch „eingesetzte Spezialmittel“, wie etwa Betäubungsgas, ums Leben gekommen war. Viele der befreiten Geiseln wurden von Polizisten aus dem Gebäude getragen. Einige der Geretteten waren bewusstlos. Nach Berichten hatten die Spezialeinheiten Betäubungsgas eingesetzt, um die Geiselnehmer kampfunfähig zu machen.
Die Polizei entschärfte zudem 30 Sprengsätze, die überwiegend aus grauem Plastiksprengstoff gefertigt waren. Zwei große Sprengsätze im Saal hätten jeweils eine Sprengkraft entsprechend 50 Kilogramm TNT gehabt. Die Terroristinnen hätten bis zu zwei Kilogramm Plastiksprengstoff an ihren Körpern getragen. Dabeneben seien noch zahlreiche Sprengsätze im Saal und unter dem Dach entdeckt worden. „Hätten die Terroristen alle Sprengsätze gezündet, wären wahrscheinlich alle Geiseln ums Leben gekommen“, sagte ein Vertreter der Einsatzleitung.
Hintergrund: Am Mittwochabend hatte eine Gruppe von etwa 50 schwer bewaffneten tschetschenischen Terroristen das Musical während einer Aufführung gestürmt und Hunderte von Menschen in ihre Gewalt gebracht.
Einer der Geiselnehmer hatte im aserbaidschanischen Fernsehen erklärt, man werde einer etwaigen Erstürmung des Theaters seitens der russischen Sicherheitskräfte mit Sprengstoff entgegen treten. Bomben seien im gesamten Gebäude deponiert worden. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte der Kidnapper.
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Gast
Verfasst am: 28.10.2002, 20:39
Rätselraten über tödliches Gas
Putin lehnt Gespräche mit Tschetschenen ab
Nach dem Geiseldrama in Moskau demonstrieren die Russen Härte. Präsident Wladimir Putin lehnte es ab, mit den tschetschenischen Separatisten zu verhandeln. Man werde keine "Geschäfte mit Terroristen" machen, sagte er vor Ministern. Gleichzeitig kündigte Putin an, dass Russland mit gleichen Mitteln reagieren werde, wenn es mit Massenvernichtungswaffen bedroht werde.
Tschetschenen wollen Unabhängigkeit
Der inoffizielle Präsident Tschetscheniens, Aslan Maschadow, hatte Putin zuvor Gespräche ohne Vorbedingungen angeboten. Derartige Angebote schlugen die Russen aber auch schon in den letzten Jahren aus. Maschadow ließ auf der Versammlung tschetschenischer Exil-Gruppen erklären, das Problem könne nur politisch gelöst werden. Er war 1997 zum Präsidenten Tschetscheniens gewählt worden.
Neue Angriffe auf Tschetschenien
Unterdessen startete die russische Armee eine "Spezialoperation" in Tschetschenien. Bis zu 30 tschetschenische Kämpfer seien bei dem Einsatz in der Nähe von Zentoroy bislang getötet worden, sagte ein Vertreter des russischen Hauptquartiers der Nachrichtenagentur Interfax. Die Luftwaffe habe in der Region Angriffe geflogen. Russische Soldaten sind seit 1994 in der Provinz im Einsatz, um die Loslösung von der Russischen Föderation zu verhindern.
Experten: Möglicherweise Nervengas eingesetzt
Ausländische Experten spekulieren unterdessen weiter darüber, mit welchem Gas die Kidnapper und Geiseln bei der Befreiungsaktion betäubt worden waren. Was es genau für ein Gas war, gaben die Behörden bislang nicht bekannt. Es seien besondere Mittel eingesetzt worden, hieß es lediglich. Die Wirkung des Gases sei zudem durch die Erschöpfung und Dehydrierung der Geiseln verstärkt worden sei.
USA fordern Informationen über Gas-Einsatz
Die USA hätten Russland aufgefordert, Angaben zur Art des Gases zu machen, hieß es aus Kreisen des US-Außenministeriums. Bislang habe man noch keine Erkenntnisse über die beiden US-Bürger und eine Person mit Wohnsitz in den USA, die sich vermutlich in dem Theater aufgehalten hätten. Das Botschaftspersonal suche derzeit in Moskauer Krankenhäusern nach ihnen.
Gas möglicherweise selbst entwickelt
Der Münchener Toxikologe Thomas Zilker sagte, vermutlich sei das Gas eine Geheimentwicklung Russlands. Seiner Ansicht nach handelt es sich aber vermutlich um ein Narkosegas, möglicherweise eine Abwandlung von Chloroform. Die Verwendung von Kampfgas sei ausgeschlossen. "Für unsere Patienten rechnen wir absolut nicht mit bleibenden Schäden - außer möglicherweise psychischer Natur", sagte Zilker zur Situation der beiden Deutschen. mehr...
Geiseln als Versuchsobjekte genutzt?
Dr. Peter Hutton von der britischen Anästhesie-Vereinigung dagegen sagte, er kenne kein Anästhesie-Gas, dass in der in Moskau eingesetzten Art und Weise wirke. "Es handelt sich mit Sicherheit um etwas, das nur vom Militär entwickelt, besessen und angewandt werden kann", sagte der Mediziner. Möglicherweise wurden die Geiseln so Opfer eines Gasversuchs.
Behörden hüllen sich in Schweigen
Nach langem Schweigen hatten die Moskauer Gesundheitsbehörden schließlich zugegeben, dass bis auf zwei alle der 117 Todesopfer an dem eingesetzten Gas gestorben seien. Eine Frau war zu Beginn der Geiselnahme von den Tätern erschossen worden, eine weitere Person starb durch Schüsse bei der Befreiungsaktion. Etwa 400 der 700 befreiten Geiseln liegen noch in Krankenhäusern. Fast 50 Patienten sind in sehr kritischem Zustand, berichteten die Behörden. Die Zahl der Todesopfer könnte daher noch weiter steigen. In Russland war für Montag Staatstrauer angeordnet worden.
Angehörige erhalten Entschädigung
Die Moskauer Stadtverwaltung kündigte am Montag eine Entschädigungszahlung für die Opfer an. Angehörige von getöteten Geiseln sollen 100.000 Rubel (rund 3.100 Euro) erhalten; für Überlebende ist die Hälfte der Summe vorgesehen, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Außerdem werde die Stadt Moskau die Beerdigungskosten übernehmen.
es ist wirklich schrecklich!!!!!
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ich achte aus prinziep nicht auf rechtschrebung oder grammatik im internet *g*